Sanierung eines Wohnhauses von 1900: Historischer Charme trifft auf moderne Architektur.

Manche Häuser sind weit mehr als ein Gebäude. Sie bewahren Erinnerungen, erzählen Familiengeschichten und begleiten Generationen. Dieses um 1900 errichtete Wohnhaus ist eines davon. Über Jahrzehnte hinweg war es das Zuhause derselben Familie. Heute kehrt die Bauherrin an den Ort ihrer Kindheit zurück und schreibt nun die Geschichte ihres Elternhauses fort.

Im Mittelpunkt der Sanierung stand die Frage, wie sich die Geschichte des Hauses bewahren lässt, ohne auf den Komfort und die Anforderungen heutigen Wohnens zu verzichten. Daher wurde das Gebäude umfassend energetisch saniert, technisch auf den neuesten Stand gebracht und in seiner Raumstruktur neu gedacht, immer mit dem Ziel, den Charakter des Altbaus zu bewahren.

Die deutlichsten architektonischen Eingriffe bilden zwei kubische Anbauten, welche das historische Gebäude präzise ergänzen. Der eingeschossige Baukörper erweitert den Wohnbereich und öffnet ihn mit großzügigen Verglasungen zum Garten. Der zweigeschossige Anbau umfasst den neuen Eingangsbereich und bietet im Obergeschoss Platz für ein geräumiges Badezimmer. Beide Ergänzungen sind bewusst klar gestaltet, setzen sich vom Bestand ab und fügen sich dennoch selbstverständlich in das Gesamtbild ein.

Auch die sorgfältig abgestimmte Material- und Farbwahl unterstützt diesen Dialog. Der helle Putz verleiht dem Altbau eine ruhige, zeitlose Ausstrahlung, während die neuen Baukörper mit ihrer Verkleidung aus schwarz-rotem Verblendmauerwerk einen warmen Kontrast bilden und zugleich an die handwerkliche Materialität des Bestands anknüpfen. Die schwarzen Holzfenster und die dunkle Dachdeckung verbinden Alt und Neu zu einer harmonischen Einheit.

Im Inneren setzt sich dieser Gedanke fort, erhaltene Elemente des Bestandes treffen auf eine reduzierte und hochwertige Gestaltung mit natürlichen Materialien und hellen Oberflächen. Filigrane Stahl-Glas-Elemente schaffen neue Blickachsen, bringen Tageslicht tief ins Haus und verleihen den Räumen Offenheit und Leichtigkeit.

Besonders im Obergeschoss bleibt die Geschichte des Hauses spürbar. Originale Türfutter, profilierte Fußleisten, der historische Pitchpine-Dielenboden und die geschwungene Holztreppe wurden sorgfältig restauriert. Statt die Spuren der Zeit zu beseitigen, wurden sie bewusst bewahrt und verleihen dem Haus Wärme, Authentizität und eine Atmosphäre, die sich so nicht neu bauen lässt.

Im Erdgeschoss wird der Wandel sichtbar. Dunkel geöltes Fischgrätparkett, offene Raumbezüge und moderne Einbauten schaffen einen fließenden Übergang zwischen historischer Substanz und zeitgemäßem Wohnen.

Den räumlichen Höhepunkt bildet der ausgebaute Spitzboden. Mit Schlafzimmer, Bad und einer privaten Dachterrasse entstand ein Rückzugsort über den Dächern. Ein Ort, der Geborgenheit vermittelt und zugleich einen neuen Blick auf das vertraute Zuhause eröffnet.

Dieses Projekt zeigt, wie anspruchsvolle Sanierungen gelingen: durch den sensiblen Umgang mit dem Bestand, hochwertige handwerkliche Ausführung und den Blick für die kleinen Details. Aus dem einstigen Elternhaus ist ein Zuhause für die nächste Generation entstanden. Ein Ort, der seine Geschichte bewahrt und gleichzeitig Raum für viele neue Erinnerungen schafft.